»Die letzten Indianer von Sachalin« / fortlaufendes Projekt

Die Kultur der Niwchen verblasst. Hundeschlitten wie die Niwchen sie bis vor einigen Jahrzehnten noch nutzten hat in Nekrasovka niemand mehr. Heute fahren sie mit Geländewagen an der Küste entlang und transportieren damit ihre Boote zu den Fischgründen. Die uralten Feste sind zur Folklore verkommen. Auch sind sie keine Halbnomaden mehr, sondern leben sesshaft. Ihre Sprache, das Niwchische, beherrschen nur noch wenige Alte. Sterben sie, stirbt auch ihre Muttersprache. Und die Jugendlichen sind hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch ihre Familien zu unterstützen und der Notwendigkeit fort zu ziehen. Für Bildung und Geld.

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    Die Niwchen sind ein Volk im fernsten Osten Sibiriens auf der Insel Sachalin. Rund 5.000 Niwchen gibt es heute noch in Russland. Eine große Gruppe davon lebt in dem kleinen Dorf Nekrasovka. Ihre Kultur ist eine der Ältesten der Welt, älter als viele europäische Kulturen. Aber heute gibt es immer weniger die an den alten Lebensweisen festhalten. Die ökonomischen und ökologischen Umstände machen es ihnen nicht leicht. Dabei ist Sachalin eigentlich eine wahre Goldmine, reich an Ressourcen wie Fisch, Holz und vor allem Öl. Nur die Ureinwohner profitieren vom Reichtum ihrer Heimat nicht. Schlimmer noch: durch die Ausbeutung der Insel verlieren die Niwchen Stück für Stück ihre Heimat. Orientierungslos klammern sich Familien wie die Nyavans an dem Einzigen was sie noch haben: ihre Geschichte, ihre Vergangenheit. Und sie bleiben. Denn obwohl das mythische Fest des Bären nicht mehr stattfindet und durch staatliche Regulierungen die meisten Niwchen in die Kategorie der Wilderer fallen, wollen sie nach wie vor wie ihre Ahnen leben. Weil Heimat sie an etwas erinnert, von dem sie sich nur schwer lossagen können. Hier zählen Impulse, die tief in das Herz des Menschen reichen. Dies wirft die Frage auf, was bedeutet überhaupt »Heimat«?